Sunbeam Alpine - hohe Drehzahlen !

Sunbeam Alpine       14.6.2003

Die Alpine ist ja schon fast ein richtiges Auto, und allmählich fallen auch kleinere Unvollkommenheiten stärker auf. Zu diesen Unvollkommenheiten gehört der Drehzahlmesser, der zwar funktioniert - sogar ohne die Schwankungen und Zuckungen, die bei älteren englischen Instrumenten so beliebt sind - der aber durchgängig ein unglaubwürdig hoher Drehzahlniveau anzeigt. Schon im gemütlich brummelnden Leerlauf, der sich für mein Ohr nach "leicht unter 1.000 rpm" anhört, zeigt er mehr als 2.000 an, und im vierten Gang dreht der Motor mühelos bis zum Anschlag der Skala bei 7.000 ! Nur dass bei der entsprechenden Geschwindigkeit auf der Autobahn jeder Reisebus den Sunbeam überholt...

Nach Gefühl zeigt er also immer etwa das Doppelte der tatsächlichen Drehzahl an. Ein bisschen im Internet gestöbert, und schnell wurde ich bei Wyatts Hot Tips fündig: Hier heißt es , dass so ziemlich jede Alpine einen falsch anzeigenden Drehzahlmesser habe. Kein Grund, einen neuen zu kaufen - man müsse lediglich die Glühbirne mit Sockel aus dem Instrument ziehen und die dann sichtbare, weiße oder gelbe und geschlitzte Plastikscheibe so lange verdrehen, bis die Anzeige stimme.

Das klingt ja gut! Leider ist nach dem Herausziehen der Glühbirne keine irgendwie geartete Plastikscheibe sichtbar - also Drehzahlmesser ausbauen und öffnen. Hier muss ich mal wieder betonen, dass die wunderschönen Smith- oder Jaeger-Instrumente äußerst delikate und sensible Geräte sind. Es ist nur allzu leicht, sie beim Zerlegen zu ruinieren.

Das fängt mit dem Chromzierring an, der auf der Rückseite durch mehrere auf den Umfang verteilte Laschen gehalten wird. Diese Laschen dürfen keineswegs einfach mit dem Schraubenzieher hochgebogen werden! Dadurch entstehen auf der Vorderseite unweigerlich Knicke und Beulen, die nie wieder wegzubekommen sind. Stattdessen ist der ganze Umfang zu säubern und mit ein wenig Gleitmittel so zu präparieren, bis sich der Ring von Hand drehen lässt. Ja, das dauert - bitte Geduld! Danach können die Laschen bis zu den dafür vorgesehenen Aussparungen verschoben werden, und der Ring kann einfach abgehoben werden.

Das nächste ist die Glasscheibe, deren Ränder nicht geschliffen und damit enorm brüchig sind. Der Versuch, sie mit irgendeinem Werkzeug herauszuhebeln, endet normalerweise mit Absplitterungen bis hin zum kompletten Bruch. Einfaches Hilfsmittel: Einen Saugnapf (ich nehme immer den vom Küchenhandtuch) auf das Glas setzen und es damit herausheben.

Das Innenleben des Drehzahlmessers ist - im Gegensatz zum Tachometer - direkt mit dem Gehäuse verschraubt, nach Abziehen des als Blende fungierenden Blechrings und Herausdrehen von zwei Schrauben auf der Rückseite kann man es also einfach herausnehmen. 

Und hier findet sich auch die Einstellschraube - von der Öffnung für die Glühbirne aus wäre sie tatsächlich zu erreichen, aber sie sitzt doch ganz gut versteckt und vor allem seitlich versetzt daneben. Außerdem sieht sie anders aus, als ich mir eine slotted white or yellow plastic disc vorgestellt hätte. Der zum Verstellen mit einem Schraubenzieher vorgesehene Schlitz wäre auf keinen Fall zu erreichen- siehe Bild rechts.

Also wird das Ganze ohne Gehäuse vorsichtig im Auto angeschlossen. Das Funktionsprinzip beruht darauf, dass das Kabel zur Zündspule am Drehzahlmesser ohne galvanischen Kontakt doppelt durch einen Bügel geführt wird und dort die Wirkung der Primärwicklung in einem Transformator hat. Die Sekundärwicklung ist die kleine Spule, die in dem Bild zu sehen ist. Die Zündimpulse werden induktiv in die Sekundärwicklung übertragen, und die Elektronik des Geräts muss sie nur noch "zählen" und die Anzeigenadel entsprechend drehen. Der Bügel muss also richtig zusammengeschraubt und das Gerät an Masse und Plus angeschlossen werden, ehe getestet werden kann.

Wunderbar! Durch Verdrehen der Trimmschraube lässt sich die Anzeige bei Leerlauf zwischen 0 und 7000 beliebig einstellen. Jetzt muss also nur noch ein externer Drehzahlmesser angeschlossen werden (wie er z.B. in vielen Stroboskoplampen integriert ist), dann kann abgeglichen werden. Perfekt!

Beim anschließenden Zusammenbau des Instruments ist wieder sehr sorgfältig zu arbeiten. Man glaubt es nicht, wie deutlich auch das kleinste Staubkorn zu sehen ist, wenn es erst einmal hinter Glas eingeschlossen ist. Daneben noch gleich der Rand vom feuchten Abwischen des Ziffernblatts und auf der Rückseite des Glases ein persönlicher Fingerabdruck des Schraubers... Im Bild die richtige Führung des Kabels zur Zündung außen am zusammengebauten Gerät.

Aber wenn man es ordentlich macht, wird man durch ein wunderschönes Instrument belohnt, das nun auch exakt anzeigt

 

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