Sunbeam Alpine - bremst sie oder bremst sie nicht ?

Sunbeam Alpine       21.4.2002

Da es nun wieder brummt, sollte auch der letzte Schritt zum effektiven Bremsen getan werden.

Zur Erinnerung: Die komplette Überholung des Bremskraftverstärkers verstärkte das heftige Bremsen heftig, bei normalem Druck rutschte das Pedal jedoch langsam, aber stetig, zum Boden durch. Da nirgends Flüssigkeit nach außen austritt, bleibt als Erklärung der Hauptbrems-
zylinder. Da ich diesmal keine Lust zum Überholen hatte und der Haubi sowieso eine wichtige Sache ist, hatte ich ein komplettes Neuteil bei
West Midlands bestellt. Leider sah es dem Original nicht sehr ähnlich.

Die Betätigungsstange ist erheblich länger (na gut, da könnte man tauschen). Der Zylinder ist aus Guss statt aus Alu (nicht so schön, aber wenn es funktioniert ....). Was aber gar nicht geht: Der Vorratsbehälter ist fest montiert, statt separat mit einer Leitung verbunden. Für RHD könnte es passen, für mein Auto aber nicht !

Nun denn, also doch ein Überholsatz. Gerade mal drei Gummiringe sind enthalten, aber die sind wichtig. Der alte Zylinder wird vorsichtig zerlegt - erfreulicherweise sind weder an Kolben noch Zylinderwand Riefen oder Pickel zu sehen, nur zähe gelbliche Ablagerungen. Mit Chrompolitur lassen sich die Oberflächen leicht streichweich und spiegelblank pflegen. Danach sorgfältigste Reinigung feucht und trocken.

Welche Freude ! Der Kolben fällt selbst ohne die Dichtungen nicht aus dem senkrecht gehaltenen Zylinder heraus, wenn man mit dem Daumen die Anschlüsse zuhält. Gute Passung ! 

Mit etwas Bremsflüssigkeit als Schmiermittel - hier darf man kein Mineralöl verwenden, es verträgt sich überhaupt nicht mit der eigentlichen Flüssigkeit - lassen sich die neuen Gummis (richtig herum !!) montieren. Alles wieder zusammenfädeln, Sprengring einsetzen und die Staubkappe montieren. Fertig zum Einbau.

Bei sowieso gerade ausgebauten Vergasern kann man bequem montieren. Die Pedalerie gibt ein kleines Rätsel auf: In welches Loch am Bremspedal kommt die Verbindung zur Druckstange ? Es kommen nämlich zwei in Frage. Nach einer Weile dämmert es, dass wir hier die berühmten "verstellbare Pedale" der Alpine vor uns haben. Eine Sitzprobe entscheidet. Individuell angepasst und (nach Entlüften der Bremsleitung zum Bremskraftverstärker) betriebsfertig geschraubt lässt sich die Probe im Stand durchführen. Guuut ! Egal, ob sanfter, fester oder plötzlich harter Pedaldruck - es gibt um keinen Millimeter nach.

Nachdem dann auch Auspuff und Vergaser wieder einsatzfähig sind, geht es zur ersten Probe im wirklichen Leben. Wie gut, dass der asphaltierte Feldweg als Versuchsstrecke dient ... sanftes Bremsen geht wunderbar, zwar ein leichtes Ziehen nach rechts .... beim ersten heftigen Versuch reißt es den Sunbeam mit Gewalt nach rechts. Zum panikartigen Gegen-
lenken kommt passend ein schlagartiges Zerren der Bremse nach links. Puh ! Da wären 3 Fahrspuren nötig gewesen.  

Ein Blockiertest aus niedriger Geschwindigkeit auf Asphalt bringt es an den Tag: Die Alpine fängt rechts vorne an zu bremsen. Ein schöner schwarzer Streifen ist der sichtbare Beweis. Das linke Vorderrad braucht mehr Zeit: Erst etwa einen Meter später entscheidet es sich, ebenfalls die Arbeit aufzunehmen, und bemalt bis zum Anhalten die Straße. Das wirkt sich natürlich fatal auf die Richtungsstabilität aus. 

Es scheint, als müssten die Bremssättel der vorderen Scheiben auch ein wenig behandelt werden ....

 

 

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