Sunbeam Alpine - wieder ist Frühjahr

Sunbeam Alpine       9.4.2002

Jetzt wirklich der Vorsatz - dieses Jahr muss das Auto auf die Strasse.
Auch wenn die 80-Stunden-Woche seit zwei Jahren Realität ist, kann man
doch nicht alle Zeit des Lebens vor dem Bildschirm zubringen. Ein paar
Stunden unter dem Auto müssen einfach auch sein !

Deshalb nun der Auspuff. Die glänzenden Stainless-Steel-Teile von Bell liegen seit Jahren auf dem Dachboden herum, dazu ein wunderbarer Free-Flow-Krümmer als Ersatz für das alte Gussteil. Hinderlich nur: Das dicke Gussteil ist mit recht langen Stehbolzen am Kopf befestigt, die überhaupt nicht zum schlanken Flammrohr passen. Die kurzen Stehbolzen wären richtig, mit denen auch der Gusskrümmer seitlich verschraubt wird. Alpine West Midlands Ltd. hatte irgendwie keine Lust, diese Teile zu liefern. Hilfe kam von Alpine + Tiger aus Deutschland. Auch hier war der erste Anruf vergebens - die mürrisch aufgenommene Bestellung wurde nicht geliefert. Ein zweiter Versuch ein paar Wochen später lief besser. Schon die Stimme am Telefon klang so, als ob man wirklich etwas schicken wollte. Wenige Tage später brachte die Post ein Nachnahme- Päckchen, in dem (nach eifrigem Graben im Verpackungsmaterial) tatsächlich die bestellten Teile vorhanden waren:

  • Überholsatz für den Hauptbremszylinder

  • Ein Blinkergehäuse

  • und die kurzen Stehbolzen !

Ein kleine Feier war angesagt. Zur Erklärung - die Stehbolzen haben zwei Gewinde mit verschiedenen jeweils sehr englischen Steigungen, deshalb war Eigenfertigung nicht so einfach (nur falls jemand sich fragt, warum der Schreiber dieser Zeilen nicht in der Lage war etc. ...).

Die Dichtflächen am Zylinderkopf sind gereinigt, geschabt und sauber abgezogen. Kein Restchen alter Dichtungen darf zurückbleiben, das ganze muss sich sauber und glatt anfühlen. Neue Krümmerdichtung, Flammrohre anpassen - oh je. Die Rohre des Krümmers sind ziemlich schief auf die Flansche geschweißt. Beim Hineinfühlen gibt es sofort einen Schnitt in den sensiblen Zeigefinger, Blut statt Auspuffgas strömt durch das Rohr. Pflaster, Handschuhe und Fräsköpfe für die flexible Welle an der Bohr-
maschine sind die Folge.

Nein, Qualität ist das nicht. Nach viel Geschleife und Gekratze sind die Übergänge einigermaßen akzeptabel, ohne dass die Wandstärken zu sehr abgenommen hätten. Endlich läßt sich das Ding montieren. Mühsam zwar - die Rohre sind auch von der Außenseite so schlecht auf die Flansche gesetzt, dass zunächst die Anfertigung von Unterlegscheiben auf dem Schleifbock gefordert ist, die einseitig so abgeschliffen sind, dass sie passen und trotzdem gerade noch tragen. Nüsse passen da nicht hinein, also ist Handarbeit mit dem 3/16 Gabelschlüssel zwischen Licht-
maschine/Krümmer links und Anlasser/Krümmer rechts angesagt. Fläche für Fläche .... aber dann:

Geheimnisvoll im Motorraum schimmernd sieht das Arrangement gut aus - irgendwie nach Effizienz und Kraft. Kraft ist leider auch erforderlich, um die die beiden Rohre aus dem inneren und äußeren Rohr in den 2-in-1-Sammler zu zwängen - das ganze geht nur unter Spannung. 

Aber danach kann endlich wieder die Ansaugbrücke mit den Vergasern montiert werden, und nach Anschließen der diversen Leitungen ist der erste Startversuch nach zwei Jahren angesagt. Bei abgezogenem Kabel zur Zündspule erst einmal leiern, bis der Öldruckanzeiger anzeigt - ja, er tut es! Und in den transparenten Leitungen ist sichtbar, dass Benzin fließt! Zündung reaktivieren - und beim nächsten Versuch springt der Motor sofort an. Dumpfes Donnergrollen - natürlich sind die Schalldämpfer noch nicht da. Welch eine Freude !

Nach kurzem Laufenlassen (es geht auf Mitternacht, und die Nachbarn sind nette Leute) wird abgestellt. Die neuen Rohre und Schalldämpfer zu montieren, sollte jetzt eigentlich nur noch eine leichte Übung sein. 

Weit gefehlt. Rootes hat sich eine besondere Anordnung einfallen lassen: Das Rohr zum ersten Schalldämpfer wird durch die X-Traverse der Karosserie-Plattform hindurchgeführt, dann kommt - im Aufstieg über die Hinterachse - der erste Topf. Gut gedacht zwar (im Gegensatz zur gän-
gigen kontemporären Konstruktion bei MG oder gar Austin-Healey wird auch ein kapitaler Aufsetzer im rauen Gelände den Auspuff nicht abreißen). Leider lässt sich das Rohr aber unter dem Wagenboden nicht mehr einfädeln, wenn der Krümmer montiert ist. 

Der Krümmer lässt sich nur demontieren, wen vorher der gesamte Vergasertrakt wieder demontiert ist .... 

Gegen 3 Uhr morgens war wieder alles zusammen. Leider hat das erste Rohr zwei ungleich lange Enden. So, wie ich es eingebaut hatte, war das hintere Ende zu kurz, um Anschluss zum Topf zu bekommen ...

Gegen 5 Uhr morgens war wieder alles zusammen. Auch der Topf über der Hinterachse hatte Anschluss. Dass Bell bei seiner optisch so wunder-
schönen Anlage leider alle im Original vorhandenen Befestigungen weglässt, habe ich zunächst einmal mit Lochband und Draht überbrückt. Die entsprechenden Teile werden sich mit handelsüblichen Rohrschellen, Flacheisen, Neopren, Schweißgerät und Phantasie herstellen lassen.

Jetzt ist es 6 Uhr morgens. Der Auspuff ist so erstaunlich leise, dass die Probefahrt niemanden geweckt hat. Jetzt noch schlafen gehen ? Nein, es ist ja bereits wieder hell. Eine kleine Zeichnung für die mittlere Befestigung, und dann ein starker Kaffee für's Büro !

 

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