Sunbeam Alpine

Sunbeam Alpine                                                   03.10.1999

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Wie kommt man zu einem Oldtimer ? Allein das sind häufig wirkliche Geschichten - man geht ja nicht einfach zu einem Händler und sagt: "Ich hätte gerne einen Oldtimer, aber bitte mit Airbags und Seitenaufprallschutz, außerdem viel Platz für die Familie". Man muß sie suchen - oder sie suchen einen.

So ging es mir mit meinem Sunbeam. Natürlich habe ich ein Faible für englische Autos mit zwei Sitzen, und Triumph, Jaguar, MG und Lotus standen schon alle in meiner Garage. Nur noch kein Sunbeam. Das ist ja auch kein Auto, das einen so unmittelbar anspringt, weil es so kernig und urwüchsig ist. Und wenn es etwas elegantes sein soll, dann kauft man sich ja eher einen Duetto von Alfa Romeo oder etwas in der Art. Deswegen kam ich nie auf die Idee, nach einem Sunbeam zu suchen.

Bis einer am Straßenrand stand. Vor einer Werkstatt der Art "Repariere alles" wirkte er etwas verloren zwischen älteren Golfs mit Breitreifen und Flügeln sowie billigen Kombis mit ihren letzten 2 Jahren TÜV. Das Preisschild wies ein Höhe aus, die zu hoch für einen Vierzylinder, aber für einen Tiger ein Sonderangebot gewesen wäre. Als ich das dritte Mal vorbeifuhr, hielt ich an und lief um das Auto herum. Kein Tiger. Ein MkV - schon mit den gestutzten Heckflossen, aber mit nur 1725 ccm - eine ganz normale Alpine. Lächerlich, der Preis. Obwohl das Auto eine ganz solide Substanz zu haben schien. Das war im Frühjahr.

Im Sommer stand der Sunbeam immer noch da. Als der Herbst kam, hing auf einmal ein neues Preisschild in der Windschutzscheibe. Die Hälfte. Diesmal ging ich in die Werkstatt hinein. "Nehmen Sie den bloß mit - der steht jetzt schon ewig herum. Nein, nein, das ist nicht meiner - " erklärte mir der Werkstattboss und gab mir die Handynummer der Ex-Freundin des Besitzers. Nach einigem Hin- und Hertelefonieren erreichte ich den auch wirklich und machte ihm ein Angebot. Das war ihm zuwenig - schließlich sei es ein erstklassiges Kalifornien-Auto, das ganz prima fahren würde. 

Es wurde Winter. Schnee lag auf dem schon etwas rissigen Verdeck des Sunbeam, taute, kam wieder - und eines Tages war wieder ein neues Schild undeutlich hinter der beschlagenen Scheibe auszumachen. Viel weniger, als ich damals geboten hatte. Nun ging alles ganz schnell - ein paar Stunden später stand eine triefende Alpine auf meinem Hänger. Traurig sah sie aus - Wasser stand im Innenraum, die Bremsen waren fest und mit dem Probelauf des Motors wollte es auch nicht klappen.

Als erstes machte ich eine Art Notfallbehandlung - Verdeck auf, Sitze raus, Gurte raus, Teppiche raus (es ist unglaublich, wie viele Schichten Teppich, Schaumstoff und Dämmmaterial aus einer Art Pappe Rootes damals verbaut hat) und einen Heizlüfter ins Auto gestellt. Dann das ganze in eine trockene Ecke der Garage verstaut.

Das ist nun schon wieder fast zwei Jahre her. Zwischendurch besichtigte ich die inzwischen gut ausgetrocknete Alpine ein paarmal. Lack und Chrom sahen auch etwas traurig aus. Es ist kaum zu glauben, was ein Jahr ungeschützt der Witterung preisgegeben zu sein einem rotem Lack antun kann. Weil ich das nicht mit ansehen konnte, gönnte ich dem Äußeren eine Politur und eine Chrompflege. Das schlug ganz gut an - der Lack glänzte wieder. Allerdings hat er feine Risse, und außerdem scheint er mir ein bißchen zu orange zu sein. Original sollte es wohl "Carnival Red" sein - Color Code 39. Ich habe fast den Verdacht, dass es sich bei meinem Auto um eine der berüchtigten amerikanischen Thermoplast-Lackierungen handelt. Na ja, für's erste ist er intakt und sieht ganz gut aus. Mit dem Chrom hatte ich weniger Glück - die blinden Stellen an den Stoßstangen wollen nicht herausgehen. Erfreulich allerdings, dass nirgendwo auch nur die kleinste Beule oder Kratzer zu finden ist - das wird das Neuverchromen billiger machen. 

Im Innenraum ließen sich die vielen kleinen Griffe und Ringe leicht wieder auf Hochglanz bringen. Jetzt mochte ich das Auto schon deutlich lieber. Mit den ersten technischen Versuchen landete ich relativ bald am Ende - eine frischgeladene Batterie angeschlossen (dabei entdeckte ich auch die bisher einzige Roststelle - der Boden vom Batteriefach ist löcherig), alle elektrischen Verbraucher durchprobiert (ALLES funktionierte), der erste Durchdrehversuch vom Motor (natürlich nach Ölkontrolle und ohne Zündung) - nur ein häßliches Geräusch vom Anlasser. Der war eindeutig nicht in Ordnung.

Nachdem ich ihn ausgebaut hatte, bewies auch ein Test direkt an der Batterie, dass er nicht mehr bereit war, sich mittels elektrischer Energie drehen zu lassen. Er wandelte Strom lediglich in Gestank um (übrigens interessant: Licht, Wärme, mechanische Arbeit  - all das war mir bekannt. Aber die direkte Umwandlung von Strom in üblen Geruch scheint neu zu sein).

Einen neuen Anlasser zu bekommen oder den alten reparieren zu lassen, erwies sich als schwieriger, als gedacht. Die bestens bewährten Teilehändler für MG etc. konnten nicht helfen, und der gute alte Bosch-Dienst zerlegte mein Alt-Teil zwar, bot aber keine Hilfe an (wollte aber auch kein Geld). Wie es so ist - es kamen andere Dinge dazwischen, und erst vor ein paar Tagen begann ich ernsthaft, wieder den Sunbeam-Anlasser in Angriff zu nehmen. Per Email nahm ich Kontakt mit Classic Sunbeam Auto Parts auf - eine tolle Website mit einem Online-Bestellkatalog. Curt war sehr nett. Er schrieb, natürlich könne er mir einen Anlasser schicken, aber die Transportkosten von USA seien doch recht hoch - ob ich nicht noch einmal in Europa suchen wolle ? Er gab mir gleich noch die korrekte Teilenummer mit. Das nenne ich Service - vielen Dank ! Dann mailte ich an Alpine West Midlands Ltd.,  in England. Auch bekam ich sofort Antwort von Sue, die mir dann postwendend einen erstklassig überholten Anlasser schickte.

Der Anlasser flutschte nur so in seine Position, Batterie angeschlossen, Zündung an - und auf das vertraute Klick-klick-klick der Benzinpumpe gewartet. Nichts ! Naja, meistens helfen ein paar leichte Schläge mit dem Plastikhammer auf das Gehäuse, um die oxydierten Kontakte wieder zum Leben zu erwecken. Also beim Tank und um die Hinterachse nach der Pumpe gesucht. Verflixt ! Nichts zu finden ! Hat so ein Sunbeam keine Benzinpumpe ? Nach langem Überlegen kam ich darauf, dass es ja auch mechanische Exemplare davon gibt, und richtig, am Motor hing etwas, das eine Benzinpumpe sein könnte ... Also lange gekurbelt, bis Öldruck angezeigt wurde (es dauert, aber lohnt sich !) - Zündspule wieder angeschlossen, und siehe, leichtes Rucken, Puffen, Schütteln - der erste Zylinder erwachte, der nächste - und dann lief der Motor ! Rechtzeitig vor einer Ohnmacht dachte ich noch daran, die Garagentür zu öffnen. Die Kupplung griff, der Rückwärtsgang rutschte mühelos hinein, und die Alpine bewegte sich nach draußen.

Am nächsten Tag montierte ich meine roten 07-Kennzeichen und begab mich auf die erste Fahrt. Vorsichtshalber im Blaumann, damit die Probefahrt jederzeit argumentierbar blieb. Bis auf einen leicht blasenden Auspuff und ziemlich weiche Bremsen funktioniert alles fabelhaft! Das Getriebe ist ein Gedicht - butterweich zu schalten. Dem Motor fehlt noch etwas die Spontaneität, aber wenn ich mir allein die Kontakte im Zündverteiler mit ihren Kratern ansehe, ist da bestimmt noch einiges zu machen.

Nun soll es konsequent weitergehen (bis der Beruf wieder einen dicken Strich durch die Rechnung macht). Derzeit bearbeite ich gerade die Bodenwanne innen mit der Drahtbürste - bedingt durch die Standzeit in der Nässe hat sich Oberflächenrost gebildet. Aber welch ein Vergnügen! Unter der dünnen Schicht Flugrost an wenigen Stellen kommt gesundestes Blech zum Vorschein.

Wenn ich daran denke, dass im letzten Bericht in Motor Klassik (Heft 5/1997) gerade die Bodenwanne als besonders gefährdeter Bereich beschrieben wurde, läßt mich das für alles weitere sehr hoffen.

Zuerst kommt auf die geschliffenen Bereiche ein Rostschutzgrund aus der Spraydose, dann Haftgrund-Primer. Mit dem Lack muß ich noch sehen - eigentlich sollte ich originales Carnival Red mischen lassen und damit lackieren. Ich werde nächste Woche mal zum Lackierer gehen.

 

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